Also alles super und dann der Wespenstich

Eine Wespe, die sich beim Fahrradfahren im Kragen der Jacke verfängt und in den Hals sticht. Ich fasse es nicht. Ich muss wie ein Irrer ausgesehen haben, als ich da mitten auf dem Gehweg lauthals „fuck, fuck, fuck“ geschrieen habe und mich dabei verrenkt habe, weil ich das blöde Biest nicht sehen, aber umso mehr spüren konnte. Die gute Nachricht ist: Ich reagiere nicht allergisch auf die Viecher. Aber es tut verdammt weh. Mist.

Dabei hat der Tag so gut angefangen. Cooles Konzert mit Sebastian Block und Band gestern Abend, dann die schnuckelige Freundin von Lisa (hab leider den Namen vergessen) – gute Nacht, guter Morgen. Mit Sonnenschein und drei verkauften Platten. Hammerpreis haben die Typen dafür geboten – hab mich fast wie ein Lottokönig gefühlt. Dann bin ich sogar einigermaßen pünktlich bei der Arbeit angekommen. Viel los heute Mittag am Stand, da geht die Zeit schnell rum. Also alles super und dann der Wespenstich.

Natürlich hab ich kein Eis da, Eisfach ist ja auch kaputt. Fühlt sich hier auch keiner verantwortlich hier. Wär mal wieder an der Zeit, eine WG-Runde mit PI, KO und EL zu drehen. Aber dann bekomm ich wahrscheinlich wieder zu hören, dass ich hier gar nix mache. Die haben gut reden: Mit zwei Jobs und Band, wann soll ich da noch Zeit haben, um den Laden hier zu putzen? PI und EL studieren ja noch und sind sowieso oft da. Wenn man es genau nimmt, benutze ich Wohnung ja kaum. Wenn ich hier bin, dann nur um Platten einzupacken und zu schlafen. Ich koche ja noch nicht mal was. Insofern sollten wir die Hausarbeit nach prozentualem Anteil der Anwesenheit staffeln. Dann müsste ich vielleicht zweimal im Jahr abwaschen, einmal staubsaugen und einmal im Quartal den Müll runterbringen. Maximal.

Alleine wohnen wär schon was. Aber dafür reicht leider die Kohle nicht. Die Platten verkaufen sich ganz gut übers Netz, aber der Erlös steht kaum im Verhältnis zur Arbeit, die das macht. Der Imbiss wirft auch nicht viel ab – 6 Euro pro Stunde und kaum Trinkgeld. Und mit der Musik verdien ich ja noch nichts. Also noch nicht. Aber bald. Hoffentlich. Dann könnt ich zumindest den Wurstdreher-Job an den Nagel hängen. Muss mal mit der Band quatschen, was wir mehr tun können, um da voran zu kommen. Kann ja nicht sein, dass wir seit einem 3/4 Jahr proben und weder was aufgenommen haben, noch irgendwo aufgetreten sind.

SMS von Lisa. Ich soll nicht vergessen, Gertrude wegen dem Interview zu fragen. Hätte ich fast vergessen. Na, dann rufe ich meine Tante gleich mal an. Lisas Schwester will ja diese Geschichte über Grenzgänger schreiben und sucht noch Leute, die sie interviewen kann. Gertrude hat auf jeden Fall viel zum Thema zu erzählen. Für Emma ein echter Glücksgriff, denke ich. Die weiß echt, wie sie ihre Schreiberei an den Mann bringt und treibt das voran. Würde auch gerne mit der Musik mehr machen. Da muss echt was passieren mit der Band! Schließlich will ich auch mal zu meinem eigenen Konzert gehen.

Tische abwischen und das Treiben auf der Straße beobachten