Lieber ein guter Film pro Woche, als Fernsehen jeden Tag

Wenn nach ein paar schönen sonnigen Tagen ein Gewitter angekündigt wird, herrscht Weltuntergangsstimmung. Die Leute auf den Straßen sind dann immer leicht durchgedreht, irgendwie neben sich und manchmal aggressiv. Ich liebe das. Es fühlt sich für mich dann genau so an, als ob ich mich durch einen Film bewege. Fehlt nur noch die leise, gefährlich klingende Musik über der Stadt, die in Filmen dann begleitend eingespielt wird. Aber das lässt sich leicht simulieren: Ich setze einfach meine Kopfhörer auf und höre „In The House – In A Heartbeat“ vom 28 Days Later Soundtrack. Dann bin ich mitten drin im Zombie-Endzeit-Getümmel.

Ich liebe Filme – wer nicht? Aber knallen muss es. Liebeskomödien oder dialogschwere Dramen sind nichts für mich. Ich will mein Herz klopfen hören, die kribbelnde Spannung in meinem Körper spüren, von Kopf bis Fuß elektrisiert sein, wenn ich einen Film sehe. So geht es mir nur, wenn es richtig zur Sache geht. Eben so wie in 28 Days Later.

Lieber ein guter Film pro Woche, als Fernsehen jeden Tag. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Leute den Fernseher nur deshalb sofort anschalten, wenn sie zu hause sind, weil ihnen eigentlich langweilig ist. Passiv auf einen Bildschirm zu starren, scheint erst einmal von der eigenen Langeweile abzulenken. Obwohl es eigentlich genau anders herum ist: Vor dem Fernseher zu hängen bedeutet meistens, sich der Langeweile hinzugeben.

Leider muss ich mir hier auch viel zu viel Low TV ansehen, da damit ich die deutschen TV-Sendeformate und Fernsehgewohnheiten analysieren kann. In den USA sind das gängige Fernsehprogramm und die üblichen TV-Sehgewohnheiten vielleicht noch schlimmer. Es ist es ja bezeichnend, dass in Deutschland viele der billig zu produzierenden Sendeformate aus den USA übernommen werden. Keine sehr schmeichelnde Auszeichnung, die mein Heimatland da hat: Mother of Trash TV.

Und diese ganzen Talk- und Reality Shows sind die Spitze der abgestumpften Unterhaltung. Da wird das langweilige Leben der einen künstlich in ein pseudo-aufregendes Leben umgewandelt, um den anderen zu suggerieren, das das Leben aufregend sein könnte. Nämlich dann, wenn man ein TV-Star wäre. Und es gibt ziemlich viele Menschen, die als Zurschausteller in diese Shows wollen. Weil es offensichtlich genug Zuschauer gibt, die ihrem Exhibitionismus huldigen. Das ist es, was wirklich traurig ist: Diese Formate funktionieren nur deswegen so gut, weil es viele Leute gibt, die diese Berieselung suchen.

Bei dem ganzen Gerede über schlechtes Fernsehen, bekomme ich richtig Lust, mal wieder einen guten Action-Klassiker anzusehen. Ich frage Patrice, ob wir nach dem Essen noch Bullit ansehen wollen. Erst im L’origine du monde schlemmen, dann mit Steve McQueen eine Runde Muscle Car fahren. Und zum Schluss übereinander herfallen. Könnte ein perfekter Abend werden, heute.

Zergeht auf der Zunge: Entrecôte mit Purée im L’origine du monde