Hast Du Antworten auf meine Fragen, Papa?

Morgen wird meine Jüngste wieder ein Jahr älter. Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich bin gespannt, wie das Essen wird. Patrice kocht, Emma hat alle eingeladen. Alle, außer Marlene. Wenn ich es genau betrachte, ist es nicht fair. Ich bin immer mit von der Partie bei dem Geburtstagsessen, das Lisa so wichtig ist. Ihre Mutter hingegen nicht.

Seltsamerweise habe ich nicht das Gefühl, dass es an meiner oder Emmas Anwesenheit liegt, dass Marlene nie eingeladen ist. Ich habe eher das Gefühl, dass Lisa ihre Mutter nicht dabei haben will. Ich kann nicht genau sagen, warum mich dieses Gefühl beschleicht, ich habe auch weder Lisa noch Marlene je dazu befragt. Patrice kennt Marlene auch, aber er hält sich zurück und hat niemals etwas dazu gesagt, obwohl er sonst in Familienangelegenheiten so engagiert ist und auf Harmonie bedacht ist.

Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, ein paar Dinge auf den Tisch zu bringen. Lisa hat den Stein schon ins Rollen gebracht. Und Patrice hat mir einen wunderbaren Rat gegeben, nur bin ich mir nicht sicher, ob Lisa das genügen wird. Wenn ich meine Geschichte als Theaterstück inszeniere – natürlich nicht exakt so, wie sie sich zugetragen hat, ein Theaterstück kann die Wirklichkeit niemals ganz abbilden (ganz zu schweigen davon, dass ich mich vor einem derartigen Seelenstrip scheue) – wenn ich also die Ereignisse in ein Drama schreibe, vielleicht hilft es mir dann, mich meinen Kindern gegenüber mehr zu öffnen. Vor allem Lisa und Emma gegenüber, die noch mehr mit diesem Dreiecksverhältnis verwoben sind als Patrice.

Patrice. Mit Patrice verbindet mich ein stark freundschaftliches Band. Für mich ist er ein wichtiger Ratgeber in vielen persönlichen Angelegenheiten. Ich habe ihn nie gewickelt, ich musste ihm die Flasche nicht mehr geben. Alss ich ihn kennen gelernt habe, war er zwar noch ein Kind, aber auch schon ein Erwachsener. Mit der Adoption damals wollte ich ihm mehr eine Chance geben, als dass ich ihn beschützen wollte. Deshalb gehen wir heutzutage mehr wie zwei Freunde miteinander um, denn wie Vater und Sohn.