Gibt es Zufälle, die Schicksal sind?

Eigentlich wollten Hans Gustav und ich uns noch treffen, bevor ich nach Israel fliege. Jetzt liege jedoch mit einer argen Erkältung danieder und muss mich schonen, damit ich die Reise gesund antreten kann. So ein Ärgernis! Allerdings möchte ich Hans Gustav nicht das erste Mal mit einer roten, laufenden Nase begegnen, das verbietet mir meine Eitelkeit. Zudem habe ich so schlimme Kopfschmerzen, dass ich kaum klar denken kann.

Trotzdem bin ich guter Dinge. Ich habe heute erfahren, dass Hans Gustav der Vater von Emma ist. Hans Gustav hat mir sofort auf meine Absage geantwortet, dass es zwar schade sei, dass es heute mit dem Kaffee nicht klappe. Er wünsche mir allerdings nichts mehr als baldige Genesung. Der Gute! Und dann hat er erzählt, wie er seine Tochter um Rat gefragt hat, was er zu unserem Rendezvous anziehen solle. Emma sei natürlich neugierig geworden und habe die richtigen Fragen gestellt. Nun ja, es erstaunt mich nicht: Was eine gute Journalistin ist … So sei eins zum anderen gekommen und irgendwann habe Emma die richtigen Schlüsse gezogen und ihren Vater direkt nach meinem Namen gefragt. Was muss das für eine Überraschung gewesen sein!

Und welch glückliche Fügung! Emma und ich sind uns durch das Interview recht nahe gekommen. Deshalb wollen wir uns auch weiterhin ab und zu treffen, um uns auszutauschen. Emma ist eine sehr angenehme und reflektierte Gesprächspartnerin. Das Interview mit ihr hat mich wirklich bereichert und mir sogar neue Sichtweisen auf meine eigene Biographie eröffnet. Das hätte ich mit meinen 71 Jahren nicht unbedingt erwartet. Jedenfalls kann der Vater einer solchen Frau kein schlechter Mensch sein. Nun, das habe ich schon seit unserer ersten Korrespondenz gespürt, doch jetzt habe ich die Gewissheit! Ich bin ich mir sehr sicher, dass wir uns treffen werden. Bald, nach meiner Heimreise.