Klischee-Frau

Emanzipation? Ich bin emanzipiert, ohne dass ich das ständig mit mir herumtragen muss. Und ich gebe zu – ich spiele manchmal gerne die Rolle der Klischee-Frau. Warum auch nicht? Das macht doch das Knistern zwischen Mann und Frau aus. Ich habe auch absolut nicht das Gefühl, dass nur Männer das Frauenbild in unserer Gesellschaft bestimmen. Wir Frauen prägen das eigene Bild maßgeblich mit. Da wird der Rock kokett zurecht gezupft oder der Augenaufschlag wird zur Waffe, wenn wir Frauen unseren Vorteil erlangen wollen. Ist das Sexismus in umgekehrter Form? Also eine Art selbstbestimmter Sexismus? Darf man so etwas überhaupt sagen?

Ich habe eine Freundin, die hat in Deutschland für eine Organisation gearbeitet, bei der es ein „Frauenförderprogramm“ gegeben hat. In der Chefetage saßen ausschließlich Männer, Frauen konnten es immerhin bis zur Abteilungsleitung schaffen. In den USA gibt es so etwas nicht. Bei uns würde so ein geschlechtsbezogenes Förderprogramm sofort Aufmerksamkeit erregen, wegen Verdacht auf „harassment“. Ich habe meine Freundin damals gefragt, ob es auch „Männerförderprogramm“ gegeben hat. Gab es nicht. Das empfinde ich als echten Sexismus.

Wenn wir von Gleichberechtigung sprechen, dann müssen die Bedingungen für Männer und Frauen doch gleich sein. Wenn ein Mann bei einer Frau unpassende anzügliche Bemerkungen macht, dann muss die Frau natürlich darauf reagieren. Aber ist das wirklich noch ein alltägliches Problem? Ich finde wirklich nicht, dass Frauen in unserer westlichen Gesellschaft jeden Tag mit verbalen Erniedrigungen zu kämpfen haben.

Ich glaube eher, dass von Zeit zu Zeit eine Debatte über Sexismus und die Benachteiligung der Frauen von den Medien losgetreten wird, einfach weil das Thema im Zyklus mal „wieder dran ist“. Das betrifft die anderen „Sparten“ übrigens auch – die Berichterstattung über Lebensmittelskandale, Kriege, Umweltkatastrophen, Sexismus, Rassismus, Terrorismus usw. unterliegt regelmäßigen Schwankungen. Im Marketing würde man wohl von einem „well balanced mix“ sprechen.

Jedenfalls wurde die letzte Sexismus-Debatte in Deutschland durch eine Artikel einer Journalistin im stern anfeuert („Der Herrenwitz“ von Laura Himmelreich, stern Ausgabe Nr. 5 am 24. Januar 2013). Die Redakteurin schilderte darin ein Zusammentreffen mit Rainer Brüderle, bei dem der FDP-Spitzenpolitiker sie mit „eindeutigen Bemerkungen“ bedrängt habe. Das wirklich Interessante daran ist, dass sich die Situation gut ein Jahr vor Erscheinen des Artikels zugetragen haben soll. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung war also wohl kalkuliert – vielleicht sollte hiermit nicht unbedingt eine Sexismus-Debatte ausgelöst werden, sondern eher der Politiker in ein schlechtes Licht gerückt werden. Was man an diesem Beispiel ganz deutlich sehen kann, ist die bewusste, manipulative Streuung von Meldungen durch die Medien. Denn mit Sexismus-Vorwürfen lassen sich Nachrichten auf jeden Fall aufmerksamkeitsstark und medienwirksam verkaufen.