Verlorenes Vertrauen

Das Jahr hat so gut angefangen, alles strömte, ich ging wie auf Wolken, es war einfach wunderbar. Doch plötzlich ist die Quelle meines Glücks versiegt und ich stehe in meinem vertrockneten Flussbett. Wie konnte das nur geschehen? An Weihnachten waren Josh und ich noch bei seinen Eltern in Catskill, wir sind durch New York flaniert und waren uns so nah wie schon lange nicht mehr. Alles Lug und Trug? Schließlich hat er kurz zuvor eine andere gehabt. Und nicht nur irgendeine, sondern Lisas beste Freundin. Das schmerzt nicht nur, es zerreisst mich.

Was soll ich tun? Ich kann nicht verlangen, dass diese kleine Schl***e abtreibt, aber der Gedanke, dass Josh Vater wird und die Mutter eine andere ist, bringt mich fasst um. Ich hätte nie gedacht, dass Josh mir so weh tun kann. Vielleicht habe ich das alles als zu selbstverständlich hingenommen. Unsere Beziehung, dass wir zusammen sind. Vielleicht sollte ich mich trennen. Ich weiß es nicht. Ich weiß gerade gar nichts.

Diese Frau, wie konnte sie mir eigentlich so ruhig ein Interview geben, als sei nichts geschehen? Mir so ins Gesicht zu lügen, so dreist zu sein. Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, dass Josh und sie … Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich habe immer gedacht, dass Sevtap ein tolles Mädchen ist, stark, unabhängig und ehrlich. Ich habe sie wirklich gemocht. Aber ich habe mich getäuscht. Sie hat zwei Gesichter und lacht mich nun böse aus. Kann ich den Menschen um mich herum gar nicht mehr vertrauen?

Im Augenblick fühlt es sich so an für mich. Ich bin total verunsichert, ich weiß nicht mehr, was ich denken soll. Wusste Lisa davon? Das kann nicht sein! Meine kleine Schwester ist doch keine ausgebuffte Lügnerin, oder doch? Ich habe nichts bemerkt, sie hat sich in den letzten Monaten wie immer benommen. Und als sie mir erzählt hat, dass sie schwanger ist, war das ganz und gar fröhlich. Was ist mit Jenna? Im letzten Sommer hat sie mir auch nicht erzählt, dass sie mit meinem Bruder zusammen ist. Wie kann ich ihr da noch glauben? Dieses Misstrauen, es ist zu mir zurückgekehrt. Ich habe so lange gekämpft, um endlich wieder Vertrauen zu haben. Es hat mich so viel Kraft gekostet, so viel Zeit. Und jetzt? War alles umsonst? Wem kann ich noch trauen?

Patrice. Ich rufe Patrice an. Er ist der einzige, mit dem ich jetzt reden kann. Er hat mir damals geholfen zu mir selbst zu finden, er wird es auch heute wieder können. Oder wusste er etwa auch davon? Diese Zweifel, die Scham, sie fressen mich auf. Ruhig, ganz ruhig Emma. Behalte Deinen Kopf klar und Dein Herz rein, verbanne den Hass und die Wut. Ruf Patrice an. Wenn es einen Menschen gibt, der Dir jetzt helfen kann, dann ist es Patrice.