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Dieses Meeting heute war schon zum Gähnen zäh und jetzt muss ich auch noch an diesem unglaublich langweiligen Dinner teilnehmen. Ich sitze in Williamsburg in so einem hippen schwedischen Restaurant und esse Smörgås, was nichts anderes als bunt belegte Brote („Stullen“ wie Emma sagen würde) sind, die nach wenig bis nichts schmecken. Ein guter Burger mit ordentlich Fleisch drin wäre mir lieber, ich hab’s dieses Mal noch nicht mal in den Burger Heaven geschafft, what a pity.

Achtung, jetzt kommt das Thema des Tages dran. Vielleicht wird’s endlich etwas spannend. Kollege Ray ist ein eifriger Kritiker von flächendeckenden Überwachungsmaßnahmen via Telefon und Internet, das weiß ich schon aus früheren Diskussionen. Und unsere Kundschaft scheint vom erzkonservativen Lager zu sein, die Obama zwar nicht wählen würden, aber mit Sicherheit für gut befinden, dass er den USA Patriot Act konsequent weiterverfolgt und ausgebaut hat. Die waren schon nicht begeistert von diesem Hipster-Laden, in den Ray uns heute Abend geschleppt hat und wären wohl lieber in ein ordentliches Steak-House gegangen. Und jetzt quatscht Ray sie auch mit seinen Thesen zu Staat und Überwachung voll. Der Typ, der mit gegenüber sitzt, hat schon angefangen zu schwitzen. Ray scheint ihm mächtig auf den Zeiger zu gehen. Mir allerdings auch. Am besten ich halte mich da raus. Soll Ray sich doch um Kopf und Kragen reden.

Er hat ja nicht mal unrecht. Für mich jedoch zeigt die ganze Geschichte mit der „Vorratsdatensammlung“ (ein wirklich passender deutscher Begriff für diesen Umstand) wieder mal eins: Daten sind virtuelle Goldbarren, sie sind das Erdöl des Internet-Zeitalters. Und werden deshalb hoch gehandelt und unter Berufung auf die Moral von höchster Stelle verteidigt. President Obama, der mal my President (!) gewesen ist,  beteuerte erst vor Kurzem, dass er nach der „richtigen Balance zwischen unserem Verlangen nach Sicherheit und dem Erhalt jener Freiheiten, die uns zu dem machen, was wir sind.“ suche. Aber jetzt zeigt sich, dass selbst er dem Verlangen nach Sicherheit mehr Gewicht gibt, denn es ist ein Verlangen, dass ganz viel mit Machterhalt zu tun hat.

Natürlich muss Obama sich jetzt gegen die Vorwürfe, diese Maßnahmen seien nur in einem Überwachungsstaat zu finden, verteidigen. Aber seine Argumentation ist dünn. Am übelsten stösst mir seine Aussage auf, dass nur Daten von Menschen überprüft würden, die nicht in Amerika ansässig seien. What the f*** soll das heißen? So einen Quatsch habe ich selten gehört. Wer glaubt das schon? Und selbst wenn es so wäre: Mit welchem Recht nimmt sich die Regierung meines Landes heraus, die Menschen in anderen Ländern zu überwachen? Müssen wir immer den „World Cop“ spielen? Gerade dieses Game ist es doch, was die Unsicherheit in unser Land gebracht hat und uns den Hass vieler Nicht-Amerikaner eingebracht hat. Wir haben unsere eigenen Dämonen heraufbeschworen, weil wir uns überall einmischen müssen.

America, land of hope and honor. America, land of shame.