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Ma petite hat nicht viel gegessen heute morgen. Dabei habe ich extra Eier im Glas gemacht, dazu gab es Lachs und Forellen-Mousse. Lisa könnte sich gerade nur von Eiern und Fisch ernähren, aber zum Frühstück mochte sie nicht so recht reinhauen. Hoffentlich ist alles in Ordnung mit ihr und unserem Zwurz. So nennt Lisa unser Kind, von dem wir nur wissen, dass es ein Baby ist. Schwierig für mich auszusprechen. Aber wenn sie unser Baby so nennen mag, soll sie doch. Wenn sie es sagt, klingt es ja auch schön. Wenn ich es sage, klingt es irgendwie verschluckt. Ein Z mit W und einem R noch drin, das ist zu viel für meine französische Zunge.

Ich sollte endlich aufhören, so überfürsorglich zu sein. So kenne ich mich gar nicht. Und Lisa offensichtlich auch nicht. Sie scheint manchmal sogar genervt zu sein. Sie sagt mir das nicht direkt, aber ich spüre das. Denn es stimmt ja auch, ma petite kann ganz gut auf sich selbst aufpassen. Und wenn es ihr heute nicht gut ginge, würde sie wohl kaum mit dem Fahrrad zum Park fahren wollen. Apropos Fahrrad. Putain. 72 Euro für die rote Ampel letztens. Ist auf jeden Fall eine gute Einnahmequelle für Berlin: 45 Euro für das „Vergehen“ und dann noch 27 Euro „Verfahrenskosten“. Die Stadt braucht Geld, das ist klar. Aber nicht für die Sanierung der Straßen oder Fahrradwege, die zum großen Teil in einem erbärmlichen Zustand sind. Auch nicht für die Instandsetzung der immer schlechter werdenden Streckennetze von U-Bahn, S-Bahn und Tram. Und schon gar nicht für Projekte, die etwas gegen die wachsende Kluft zwischen Armen und Reichen in Berlin tun, die sich gegen die Ungleichheit stellen und dafür sorgen, dass es mehr Arbeit und bezahlbaren Wohnraum in der Stadt gibt. Das Geld, dass durch Falschparker, Rote-Ampel-Radfahrer und Schwarzfahrer in die Stadtkasse fließt, ist für einen Flughafen gedacht, der nicht in Betrieb ist und für ein Schloss vorgesehen, dass von Grund auf neu nachgebaut  werden soll, weil es schon seit 1945 nicht mehr existiert.

Wenn man sich nun die Kosten für die Prestige-Projekte ansieht, kann einem nur schwindelig werden: Der Flughafen Berlin-Brandenburg verschlingt jeden Monat 20.000.000 Euro. Das Berliner Stadtschloss soll insgesamt 590.000.000 Euro kosten. Davon trägt die Stadt Berlin „nur“ 32.000.000 Euro. 478 Millionen werden vom Bund übernommen und etwa 80 Millionen Euro sollen aus Spenden finanziert werden. Vielleicht auch noch 30 oder 50 oder 100 Millionen mehr, wer weiß das schon? Wollen wir Bewohner dieser Stadt wirklich daran glauben, dass dieses Schloss eine Investition in die Zukunft ist? Louis XIV. hätte nicht verschwenderischer sein können, Versailles ist ein Witz mit Bart dagegen. Willkommen in der modernen Form des Absolutismus.

P.S. Bitte geben Sie bei Ihrer nächsten Überweisung an die Stadt „Verschwendungszweck Fluchhafen BER und Berliner Luftschloss“ an.

Verschwendungszweck Berliner Luftschloss

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