09:10

Ich bin fast schon zu spät dran heute. Der Park ist schon voller Läufer und Spaziergänger und ich fühle mich eher wie beim Parcours. Samstag morgens um 7 Uhr kann man hier besser joggen, da ist die Luft noch frisch und klar und es ist relativ ruhig für Berliner Großstadtverhältnisse. Jetzt, kurz nach 9 Uhr, ist der Trubel schon angekommen, vor allem weil heute endlich mal Sommersonnenschein herrscht. Da zieht es die Regengeplagten aus ihren Häusern.

In Berlin haben wir ja noch Glück gehabt. Die sturzbachartigen Regenergüsse in den letzten Tagen haben die Flüsse in Bayern und Brandenburg arg anschwellen lassen. Mancherorts stehen Häuser und Straßen unter Wasser, einige Regionen sind wirklich Landunter. Es  ist die zweite Jahrhundertflut in Deutschland und Ost-Europa innerhalb von 11 Jahren. Da stimmt die Bezeichnung nicht mehr, sie müsste der Taktung gemäß in „Jahrzehntflut“ umbenannt werden, denn diesen Sommer soll es noch schlimmer sein als 2002. Einige Städte kämpfen noch um ihre Deiche, jeder Sandsack ist ein Hoffnungsschimmer, dass die Gewalt der Wassermassen doch noch zu bändigen ist.

Und wenn der Pegel wieder sinkt? Die Ortschaften, die von den Fluten heimgesucht worden sind, versinken in Schlamm und Morast. Die Flüsse hinterlassen ihre Spuren und werden die Menschen, deren Haus und Hof, Hab und Gut im wahrsten Sinne des Wortes untergegangen sind, noch jahrelang an die Katastrophe erinnern. Wie es meiner Freundin V wohl gehen mag, ob ihr Haus in Dresden noch unversehrt ist? Wir haben nicht mehr so viel Kontakt, seitdem sie mit Mann und Kindern nach Dresden gezogen ist. Die Zeiten ändern sich. Wir haben uns im Studium kennen gelernt und waren eine zeitlang unzertrennlich. Wir haben einfach alles geteilt, irgendwann sogar mal einen Mann. Da wir beide aber keine ernsthaften Absichten verfolgt haben, ging diese ménage à trois ohne Streitigkeiten zu Ende. V und ich haben sogar herzlich gelacht, als wir festgestellt haben, dass wir fast zeitgleich eine Liaison mit demselben Typen hatten.

Unsere Teilzeit-Affäre ist heute Moderator einer Fernsehsendung in einem der dritten Programme. Er ist vom Typ her „der ewig 30-Jährige“. Damals schon sah er aus wie einer, der 30 Jahre alt ist, aber da war er gerade Anfang 20. Jetzt ist er 32 oder 33 Jahre alt und dieses Alter steht ihm gut zu Gesicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er in 10 Jahren noch als 30-Jähriger durchgehen wird, vielleicht sogar noch in 20 Jahren. Leider war damals er in sexueller Hinsicht keine Offenbarung (das hat V auch so gesehen). Ich frage mich, etwa 10 Jahre nach unserer Affäre, ob sich bei ihm in dieser Hinsicht mehr Varianz zeigt als in seinem Gesicht.

Oh, da sind ja Lisa und Vincent. Meine kleine Schwester sieht einfach schön aus mit Ihrem Bauch. Hallo Ihr beiden …