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Die Nacht war kurz, der Abend hat sich noch hingezogen. Obwohl die Kunden erst so angestaubt und knochentrocken konservativ gewirkt haben, wollten die dann noch umbedingt um die Häuser ziehen. Klar, wenn man außer Provinz nichts kennt, muss man in New York die Nacht zum Tag machen. The City that never sleeps. The Josh who never sleeps. So fühle ich mich jedenfalls. Hoffentlich kann ich das im Flieger nachholen. Immerhin darf ich dieses Mal noch in der Business Class fliegen. Da kann man sich wenigstens einigermaßen lang machen.

Wenn ich im Taxi sitze und von Flughafen zu Hotel, von Hotel zu Termin, von Termin zu Restaurant, von Restaurant zu Bar, von Bar zu Hotel, von Hotel zu Flughafen fahre, erkenne ich keinen Unterschied mehr, alle Städte sind irgendwie gleich. Egal ob ich in New York, Hong Kong, Berlin, Paris, London oder Shanghai, unterwegs bin, die Orte verschmelzen miteinander, mit jedem Trip ist es schwieriger für mich zu unterscheiden, wo ich gerade bin. Vor zwei Wochen habe ich tatsächlich für ein paar Minuten fest daran geglaubt, dass ich im Taxi Richtung CDG in Paris sitze, bevor ich registriert habe, dass ich auf dem Weg zum Airport Heathrow in London bin. Zu wenig Schlaf, zu viel Gleichförmigkeit im Arbeitsablauf, zu wenig Emma.

Immer noch und trotz allem zu wenig von Emma um mich herum. Dabei hatte ich mir nach meinem Fehltritt im Dezember fest vorgenommen, mehr Zeit mit ihr zu verbringen. I wish I could. Aber mein Job hindert mich daran. Schlechte Ausrede. Ich hindere mich daran, denn ich habe mich, schlimm genug, an dieses Leben unterwegs so sehr gewöhnt, dass ich gar nicht weiß, wie ich anders leben sollte. Es ist wie in diesem Film mit Georgie Clooney. Up in the Air. Ein Leben im Flieger, in den Business Lounges und Hotels dieser Welt. Kaum, dass man die Jahreszeiten noch differenzieren kann. Stimmt bei mir fast alles überein, außer dass mein Job (glücklicherweise? – ist meine Arbeit denn so viel ehrenwerter?) nicht darin besteht, Personalbestände von Firmen auf das Minimalste zu reduzieren.

Was Emma wohl gerade macht? Ich weiß oft gar nicht, was sie tut. Also ich weiß wohl, was sie beruflich macht und sie erzählt mir auch, mit wem sie sich trifft oder was sie unternimmt. Aber was sie wirklich tut, davon habe ich nur eine blasse Ahnung. Ich bin mir fast sicher, dass sie ein richtig spannendes Leben hat. Im Gegensatz zu mir, der sich in einer fortwährenden Wiederholung befindet. Vielleicht brauche ich sie nur, weil sie mir das Gefühl gibt, der aufregende Gegenpol in meinem langweiligen Leben zu sein. Aber wieso habe ich Dir das dann angetan? Je mehr ich darüber nachdenke, umso weniger verstehe ich mich selbst. Ich …

Excuse me? Ah, yes. You can stop right there, thanx. Keep 20 Dollar as tip.