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Zum Glück gibt es den Laden von Yussuf an der Ecke. Der hat das beste Obst und Gemüse im Kiez. Manchmal kaufe ich sogar auf dem Weg zur Arbeit bei ihm dies und das für das Restaurant ein, wenn ich zum Beispiel vergessen habe, lila Paprika oder gelbe Tomaten bei meinem Chef zu bestellen. So wie heute. Zum Glück ist mir noch eingefallen, dass ich unbedingt Stangensellerie brauche für die kalte Gurkensuppe heute Abend. Und Yussuf hat noch ausreichend von dem köstlichen Gemüse da gehabt. Jetzt steht meinen fritierten Sellerie-Spaghettinis nichts mehr im Wege. Zwar muss ich mich sputen, weil ich schon viel zu spät dran bin – lieber aber bin ich 5 Minuten später da und riskiere den Ärger mit dem Patron, als dass eine Zutat für das Menü fehlt, denn dann werde ich unleidlich.

So wie Jenna gestern Abend. Sie war ein bisschen kratzbürstig, meinte aber, es läge nicht an mir. Nunja, manchmal hat man diese Minuten. Obwohl sie bei Jenna auch wirklich sehr selten sind. Sie ist normalerweise eine sehr ausgeglichene und fröhliche Person. Das mag ich so an ihr, diese Leichtigkeit ohne oberflächlich zu sein. Sie bezaubert mich immer wieder mit ihrem sprühenden Charme. Wenn ich nur an sie denke, gerate ich ins Schwärmen.

Huch, jetzt wäre ich fast falsch abgebogen. Zu viel Jenna in meinem Kopf, ich bin ja ganz benebelt. Da fällt mir ein, dass ich noch irgendwas tun wollte. Was war das nur? Oder bilde ich mir das nur ein, dieses Gefühl, dass ich etwas Wichtiges vergessen habe? Das verwirrt mich jetzt. Was könnte es nur sein? Ich wollte Gertrude noch das Rezept für das schwimmende Täubchen geben. Normalerweise gebe ich meine Kreationen nicht an andere weiter, aber sie war gestern Abend so begeistert von dem Gericht. Da sie die neue Frau an der Seite meines Vaters ist und ich sie gerne habe, konnte ich nicht nein sagen. Zudem ist sie ein neuer Teil unserer Familie, da kann ich meine Geheimnisse schon teilen… Aber das war es nicht. Das weiß ich ja noch.

Hatte ich Hans Gustav versprochen, dass wir uns heute zum Mittagessen treffen? Ach nein, er war ja mit Emma essen, in ihrem „Stammlokal“, wo er immer diese Gulaschsuppe bestellt, die ich viel zu salzig und ölig finde. Aber ihm schmeckt es so gut dort, da rede ich ihm nicht rein. Geschmacksfragen sind und bleiben Geschmacksfragen. Er hat mir ja gestern wieder vorgeschwärmt von der Suppe, bis Gertrude ihm fest die Hand gedrückt hat. Da hat er wohl gemerkt, dass er vor seinem Sohn, dem Koch, saß und von eine anderen Suppe in den höchsten Tönen sprach. Er wurde etwas rot, was ich reizend fand, und wechselte schnell das Thema. Er lobte meinen schwimmenden Vogel über den grünen Klee. Ich musste lachen. So ist er, mein Adoptivvater. Ein echter Schwärmer und manchmal etwas taktlos. Aber er meint es nicht böse, deshalb kann ich es ihm auch nicht sein. Ich weiß ja, dass er meine Kochkünste sehr zu schätzen weiß..

Oh, jetzt bin ich doch zu weit gefahren. Wo habe ich nur meinen Kopf. Also zurück – jetzt werden es sogar 15 Minuten.