Kapitel 08 — Djibril und Ousmane

Das Herz ist kein Knie, das gebeugt werden kann

Ich wollte meine Geschichte aufschreiben, schon lange hatte ich es vor. Es kam immer etwas dazwischen. Irgendwann erschien es mir ganz dringlich. Irgendwann, das war, als ich die Bilder gesehen hatte: Wacklige Boote voller Menschen, die auf unruhiger See dahintreiben. Menschen, die über baumhohe Zäune mit Stacheldrahtkrone klettern. Menschen, die vor der Turnhalle, die jetzt…

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Die kleinen Sterne leuchten immer während die große Sonne untergeht

„Ich bin mir sicher, dass Djibril einen Bruder bekommt,“ sagt mein Vater. Er steht gegenüber unserer Hütte auf der anderen Seite der Straße und diskutiert mit den Männern des Dorfes. Noch darf er nicht in die Hütte, bei der Geburt dürfen nur Frauen anwesend sein. Er wünscht sich einen zweiten Sohn, denn nach mir wurden…

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Der riesige Baum wächst aus einem Samenkorn

„Er ist da,“ ruft meine Großmutter. Sie ist aus der Hütte getreten, blinzelt kurz in das gleißend helle Sonnenlicht, dann läuft sie los. Es ist an der Zeit, sich für den Freudentag einzukleiden. Schon vor einigen Monaten hat meine Großmutter angefangen, besonders edle Stoffe in leuchtenden Farben auszusuchen. Das war nicht immer einfach, denn unser…

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Die Zukunft entsteht aus der Vergangenheit

Ich habe meinen Bruder wieder gefunden. Genau genommen hat Ousmane Djibril wiedergefunden. Djibril, der war ich vor meinem Leben in Deutschland. Djibril war der kleine Junge, der im Senegal an der Grenze zu Mauretanien mit seiner Familie in einem kleinen Dorf gelebt hat. Djibril hat Ousmane kaum gekannt, als er aus dem Senegal geflohen ist, denn zu diesem…

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