Patrice antwortet

Super, dass Du das Interview heute noch einschieben konntest …

Ja, ich musste zwar etwas tricksen.  { zwinkert }. Aber passt jetzt gerade gut, die Vorbereitungen in der Küche sind abgeschlossen und ich habe ein paar Minuten, bis es richtig losgeht.

Du hast vielleicht schon gehört, was wir jetzt machen: Ich stelle Dir einige Fragen, die Du mir so rasch wie möglich beantwortest. Das erste, was Dir einfällt, ist das richtige. Ok?

{ nickt }.

Zieh mal eine Karte und nenne mir innerhalb von 20 Sekunden eine Stadt, ein Land, einen Fluss, einen Namen, ein Tier und einen Beruf.

{ Patrice zieht eine Karte, dreht sie um und … }.

Q. So ein Quatsch.

Ja, das ist echt schwierig. Willst Du eine andere Karte ziehen?

Nein, ich probier es mal. Stadt mit Q, hm. Quedlinburg. Land mit Q? Da fällt mir nur Québec ein. Zählt das? Ok, danke. Fluss mit Q? Da muss ich passen. Name ist leicht: Quentin. Tier auch: Die Qualle. Und Beruf? Vielleicht Quacksalber?

{ lacht }.

Na, dass war doch richtig gut! Dann lass mal schauen, welche Antworten Du für die folgenden Fragen parat hast … Dein Hauptcharakterzug?

Geduld. Ich bin ein sehr geduldiger Mensch. Ich glaube einfach daran, dass es für alles seine Zeit gibt und dass es mich selbst nicht weiterbringt, wenn ungeduldig darauf dränge, dass etwas geschehen soll, wofür die Zeit noch nicht gekommen ist. Vielleicht strahle ich deshalb auch so eine Ruhe aus. Ein Kollege hat mir mal gesagt, dass ich selbst im größten Küchenstress – es kann ja richtig hektisch im Restaurantbetrieb werden – so ruhig wie ein Mönch in der Klausur bleibe. Dann hat er mich gefragt, wie ich nur so ruhig bleiben kann und ob mir nicht manchmal der Geduldsfaden reisst, wenn einer der Jungköche ständig die falschen Handgriffe macht oder die Bestellungen unkoordiniert an die Küche gehen. Aber ich will es mal so sagen: Je lauter und stressiger eine Situation ist, umso ruhiger und geduldiger werde ich. Und komme damit weiter als andere, die sich furchtbar aufregen. Gesünder ist es auch, für mein Herz und für die Nerven der anderen auch.

Was wäre Deine Henkersmahlzeit?

Ein Linseneintopf. Aber nicht so ein graubrauner, matschiger Haufen mit fettigen Speckstücken drin. Ich mag lieber die kleinen grünen Linsen, angeschwitzt in Butter mit fein gewürfelten Schalotten und winzigen Speckwürfelchen, die dann mit einem trockenen Weißwein abgelöscht und mit heißer Brühe aufgefüllt werden. Langsam köcheln lassen bis die Flüssigkeit verkocht ist, salzen, pfeffern, würzen, fertig. Ein Gedicht, das Gericht.

Deine Lieblingsgestalt in der Geschichte?

Das finde ich schwierig zu sagen. Es gibt einige historische Persönlichkeiten, die eine Würdigung verdient haben und die ich bewundere. Je nachdem, um welchen Verdienst es sich handelt oder welches Handeln im Mittelpunkt der Betrachtung steht, kann ich verschiedenen Heldentaten meinen Respekt zollen. Ansonsten ist mir die Frage irgendwie zu pauschal, entschuldige bitte den Ausdruck …

Ist absolut in Ordnung. Du sagst einfach, was Du denkst. Die nächste Frage. Vervollständige den Satz: Reden ist silber, …

Zuhören  ist gold.

Welches Lied singst Du gern?

Ich singe leider nicht besonders gut. { lacht }. Wenn überhaupt, dann pfeife ich vor mich hin. Meistens ist es eine Melodie, die ich gerade im Radio gehört habe, die mir im Ohr bleibt und die ich dann mit meinem Pfeifen imitiere. Pfeifen hat etwas Meditatives für mich. Wenn ich in der Küche am Herd stehe, das Radio läuft und ich pfeife vor mich hin, dann kann ich wunderbar entspannt kochen. Vielleicht gehört das auch zu meiner Geduld und es ist eine Art Strategie, die Ruhe in mir auszudehnen, so dass ich auch im härtesten Stress ausgeglichen und geduldig bleibe.