Wie es ist, gestern, heute, bald

Es ist still um uns geworden, wir haben uns ins Private zurückgezogen und die Internetbühne anderen überlassen. Wir sind umgezogen, haben Kinder bekommen, den Job gewechselt, (k)eine neue Liebe gefunden oder sind gestorben. Aber der Reihe nach:

Hans Gustav ist am 26. April 2016 an einem Gehirntumor gestorben, der ihm kurz zuvor Anfang März 2016 diagnostiziert wurde. Er hat seine letzten Tage mit Emma, Lisa, Patrice und Gertrude verbracht. Seine Familie hat Hans Gustavs letzte Worte (es war tatsächlich das Letzte, was er gesagt hat) auf seine Urne gravieren lassen und diese an einer geheimen Stelle tief in den Brandenburgischen Wäldern vergraben. Das ist natürlich nicht erlaubt, war aber ein (nicht ganz ernst gemeinter) Herzenswunsch von Hans Gustav, der gerne wiederholt hat: „Wenn ich denn irgendwann einmal tot sein muss, dann bitte in Ruhe. Ich meine, echte Ruhe – so wie in den Wäldern von Brandenburg.“

Der Tod von Hans Gustav hat Gertrude sehr mitgenommen, auch wenn die beiden nicht lange zusammen gewesen sind und Gertrude stets ihre Unabhängigkeit geliebt hat. Erst fühlte sie eine schreckliche Leere in ihrem Leben und dann kam eine plötzliche und starke Sehnsucht nach Israel. Kurzentschlossen hat sich Gertrude eine Wohnung in einem Alterswohnsitz in de Nähe von Tel Aviv gesucht, wo sie heute lebt und glücklich ist.

Auch Emma hat Berlin den Rücken gekehrt. Nach einer kurzen, heißen Affäre mit Peter konnte sie ihre Heimatstadt nicht mehr ertragen und hat sich, eigentlich ohne Hoffnung auf Erfolg, auf eine Stelle Sals Auslandskorrespondentin in Italien beworben. Ein bisschen geflunkert hatte sie schon, was ihre Italienischkenntnisse angeht. Der Internet-TV-Sender hat ihr trotzdem eine Chance gegeben, weil sie für ihre Dokumentation über „Grenzgänger“ mehrere europäische Preise erhalten hat und diese bei Arte ausgestrahlt wurde. Emma hat mit einem Intensivkurs ihr Italienisch aufpoliert und lebt heute mit ihrem Freund, der um einiges Älter als sie ist, in Bologna.

Kurz nach Hans Gustavs Ableben haben Patrice und Jenna geheiratet. Eigentlich wollten die beiden in Berlin bleiben, doch dann kam ein Angebot aus New York, das Patrice unmöglich ausschlagen konnte: Sous-Chef in einem Sterne-Restaurant in Manhattan. Der Chef de Cuisine war als Gast in Patrices Restaurant eingekehrt und so begeistert von den Gerichten auf seinem Teller, dass er Patrice sofort in seinem Team haben wollte. Also sind Patrice und Jenna im Herbst 2017 nach NYC gezogen. James Djibril wurde im Februar ebenda geboren und Jenna geht voll und ganz in ihrer Rolle als „happy mom“ auf.

Und Lisa? Wohnt auch nicht mehr im dicken B. Vincent und sie sind nach Frankreich in die Nähe von Arles gezogen, weil das Leben in Berlin für die beiden zu teuer wurde. Nach Töchterchen Nina kam  am 23. September 2016 ihr Sohn Lucien zur Welt – eine größere und bezahlbare Wohnung in und um Berlin war jedoch nicht zu finden. Also haben die beiden sich für die französische Landvariante entschieden. Vincent hat einen Job als Programmierer bei einer mittelgroßen Firma in Südfrankreich gefunden, Lisa macht hier und da Übersetzungen und beide genießen die Nähe von Vincents Familie – und natürlich das mediterrane Klima.

Alle weg aus Berlin? Nicht ganz: Peter, der vor mehr als zwei Jahren das wilde Partyleben gegen Straight Edge eingetauscht hat und seitdem keinen Alkohol mehr trinkt, ist jetzt ein erfolgreicher Ghost-Songwriter und hat eine Ausbildung zum Yoga-Lehrer gemacht. Er hält die Stellung als glücklicher Single in Berlin, ebenso wie…

…Sevtap und Josh: Die beiden sind nach ihrer Berg- und Talfahrt seit mehr als zwei Jahren zusammen und haben am selben Tag wie Jenna und Patrice Zwillinge mit Namen Mila und Meredith bekommen. Die Freundschaft von Sevtap und Lisa wäre wegen der Geschichte mit Emma und Josh fast in die Brüche gegangen. Seit ein paar Monaten jedoch haben sich Sevtap und Lisa wieder angenähert und schreiben sich regelmäßig Nachrichten über Whatsapp.

Ach so, bevor ich es vergesse – die letzten Worte von Hans Gustav lauteten:

Ich habe alles falsch und alles richtig in meinem Leben gemacht. Dann kann ich wohl jetzt beruhigt den Vorhang fallen lassen.

PS: Es fehlt noch das BALD, das so großmundig in der Überschrift angekündigt worden ist. Bald ist, was irgendwann kommt, demnächst oder in Kürze, vielleicht hier oder anderswo. Insofern: Bleibt hungrig, bleibt neugierig.